Robotersicherheit nach ISO 10218: Was Betreiber wissen müssen

Ein Industrieroboter bewegt schwere Lasten mit hoher Geschwindigkeit auf engem Raum. Genau deshalb steht die Robotersicherheit im Zentrum jeder Inbetriebnahme, und die zentrale Norm dafür heißt ISO 10218. Sie definiert die Sicherheitsanforderungen für Industrieroboter und ihre Integration, von der Konstruktion über die Schutzeinrichtungen bis zur Risikobeurteilung der gesamten Roboterzelle.

Für Betreiber ist das mehr als eine Formalität. Wer eine Anlage in Betrieb nimmt, trägt Verantwortung für die Sicherheit der Bediener, und die ISO 10218 liefert dafür den anerkannten Maßstab. Mit der überarbeiteten Fassung aus dem Jahr 2025 und der kommenden EU-Maschinenverordnung ändern sich zudem einige Anforderungen. Dieser Leitfaden erklärt, was ISO 10218-1 und ISO 10218-2 regeln, was die Revision 2025 gegenüber den Versionen aus dem Jahr 2011 bringt und was Sie als Betreiber konkret umsetzen müssen.

Industrieroboter hinter trennender Schutzeinrichtung gemäß ISO 10218

In Kürze

  • Die ISO 10218 ist die internationale Norm für die Sicherheitsanforderungen an Industrieroboter und gliedert sich in Teil 1 (Roboter) und Teil 2 (Robotersysteme und Integration).
  • Die überarbeiteten Fassungen ISO 10218-1 und ISO 10218-2 aus dem Jahr 2025 ersetzen die Versionen aus dem Jahr 2011 und greifen unter anderem Cybersicherheit und kollaborierende Anwendungen auf.
  • Als harmonisierte EN ISO verschafft die Norm eine Konformitätsvermutung gegenüber der EU-Maschinenverordnung, die ab 2027 gilt.
  • RCC unterstützt Betreiber seit 1998 mit maßgeschneiderten Schutzlösungen, die das Risiko durch beschädigte Kabel, Spritzer und Verschmutzung reduzieren.

Was ist die ISO 10218 und für wen gilt sie?

Industrieroboterzelle mit Schutzzaun und Sicherheitseinrichtungen nach ISO 10218

Die ISO 10218 trägt den Titel „Sicherheitsanforderungen für Industrieroboter“ (englisch: Safety requirements for industrial robots) und wurde von der Internationalen Organisation für Normung herausgegeben. Sie ist die zentrale Norm der sicheren Robotik und richtet sich an zwei Adressaten: an die Roboterhersteller und an die Systemintegratoren, die einzelne Roboter zu kompletten Roboteranwendungen verbinden.

In Deutschland erscheint sie als DIN EN ISO 10218, herausgegeben über DIN Media. Die Norm gilt für klassische Handhabungssysteme ebenso wie für moderne Roboterzellen in der Fertigung, in der Automatisierungstechnik und im Maschinenbau. Sie ist eng mit der Maschinenrichtlinie verbunden und bildet auf internationaler Ebene den Sicherheitsstandard, an dem sich Betreiber, Berufsgenossenschaft und Auditoren orientieren.

ISO 10218-1 und ISO 10218-2 im Überblick

Teil 1: der Roboter selbst

Die ISO 10218-1 richtet sich an den Hersteller des Roboters. Sie legt die Sicherheitsanforderungen für die Konstruktion des Roboters fest: Sicherheitsfunktionen, Steuerung, Stoppfunktionen, Geschwindigkeits- und Kraftbegrenzung sowie die Anforderungen an den manuellen Betrieb. Ziel ist, dass der einzelne Roboter bereits ab Werk sicher ausgelegt ist.

Teil 2: Robotersysteme und Integration

Die ISO 10218-2 betrifft die Robotersysteme und ihre Integration in eine reale Produktionsumgebung. Sie deckt die Gestaltung der gesamten Roboterzelle ab: Schutzzäune, Lichtvorhänge, Not-Halt-Konzepte, die Risikobeurteilung und das sichere Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Diese Sicherheitsanforderungen für Robotersysteme sind der entscheidende Hebel für Integratoren und Betreiber, denn die meisten Gefährdungen entstehen erst durch die Integration von Roboterzellen und nicht durch den Roboter allein.

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Die Revision 2025: Was sich gegenüber der Fassung von 2011 ändert

Beide Teile der Norm wurden überarbeitet und in einer neuen Fassung im Jahr 2025 veröffentlicht. Diese aktualisierten ISO-Normen ersetzen die lange gültigen Versionen aus dem Jahr 2011 und reagieren auf die technische Entwicklung der vergangenen Jahre.

Zu den neuen Anforderungen gehören klarere Vorgaben für kollaborierende Roboteranwendungen, eine stärkere Berücksichtigung der Cybersicherheit vernetzter Robotersysteme sowie präzisere Definitionen der Sicherheitsfunktionen. Die Neuerung verschiebt den Fokus von der reinen Trennung von Mensch und Maschine hin zu differenzierten Schutzkonzepten, die auch die direkte Zusammenarbeit erlauben. Für Betreiber bedeutet das: Bestehende Anlagen bleiben zwar in Betrieb, doch bei Umbauten, Erweiterungen oder neuen Roboteranwendungen sollte die neue Robotiknorm ISO als Grundlage dienen.

ISO 10218 im Verbund mit ISO/TS 15066, EN ISO 13849 und der Maschinenverordnung

Die ISO 10218 steht nicht allein. Sie ist Teil eines Normensystems, das die Maschinensicherheit insgesamt regelt. Drei Bezüge sind für die Praxis entscheidend.

  • ISO/TS 15066: Diese Spezifikation ergänzt die ISO 10218 um detaillierte Vorgaben für kollaborierende Roboter, etwa zulässige Kräfte und Drücke bei Kontakt mit dem Menschen. Die 15066 ist die Referenz für sichere Cobot-Anwendungen.
  • EN ISO 13849: Diese Norm regelt die sicherheitsbezogenen Teile von Steuerungen und definiert Performance Level, die für die Sicherheitsfunktionen eines Roboters nachzuweisen sind.

Hinzu kommt der rechtliche Rahmen: Die neue EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 löst die bisherige Maschinenrichtlinie ab und gilt verbindlich ab Januar 2027. Wird die ISO 10218 als harmonisierte EN ISO geführt, verschafft ihre Anwendung eine Konformitätsvermutung gegenüber dieser Maschinenverordnung. Die Norm ist damit der praktische Weg zur rechtssicheren CE-Kennzeichnung einer Roboteranlage.

ISO 10218-1 und ISO 10218-2 im Vergleich

Kriterium ISO 10218-1 (Teil 1) ISO 10218-2 (Teil 2)
Geltungsbereich Der Roboter als Produkt Robotersystem und Integration
Hauptadressat Roboterhersteller Integrator und Betreiber
Schwerpunkt Konstruktion, Steuerung, Stoppfunktionen Roboterzelle, Schutzeinrichtungen, Risikobeurteilung
Aktuelle Fassung Ausgabe 2025 statt 2011 Ausgabe 2025 statt 2011

Was Betreiber jetzt konkret umsetzen müssen

Aus der Norm ergeben sich klare Pflichten für den sicheren Betrieb. Die wichtigsten Schritte für Roboter und Anlagen im Alltag:

Bediener prüft die Sicherheitseinrichtungen einer Roboteranlage

Risikobeurteilung der gesamten Zelle. Bewerten Sie jede Roboteranwendung im Verbund, nicht nur den Roboter. Die ISO 10218-2 verlangt eine dokumentierte Risikobeurteilung über den vollständigen Arbeitsraum.

Schutzeinrichtungen prüfen und warten. Not-Halt, trennende Schutzeinrichtungen und sichere Geschwindigkeit müssen regelmäßig getestet werden. Eine defekte Sicherheitsfunktion hebt die Konformität der gesamten Anlage auf.

Dokumentation und CE-Kennzeichnung. Halten Sie die Konformität für Audits, Versicherung und Berufsgenossenschaft nachweisbar. Bei Umbauten ist zu prüfen, ob eine neue Konformitätsbewertung nötig wird.

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Sicherheit beginnt am Roboter selbst

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Schutzhüllen als Beitrag zur Robotersicherheit

Eine Schutzhülle ist keine Sicherheitsfunktion im Sinne der Norm, doch sie senkt das Gefährdungspotenzial spürbar. Beschädigte Energieführungsketten, korrodierte Stecker und herausgeschleuderte Späne gehören zu den häufigen Auslösern ungeplanter Eingriffe, bei denen Bediener in den Gefahrenbereich gelangen. Wer diese Ursachen reduziert, reduziert auch die Zahl riskanter Situationen.

Bei einem Hersteller in einer ATEX-nahen Lackierumgebung beobachteten wir, dass Reinigungs- und Reparatureinsätze an den Robotern die häufigsten Anlässe für das Öffnen der Schutzzelle waren. Nach Installation maßgeschneiderter RCC-Hüllen sank die Zahl dieser Eingriffe deutlich, womit sich auch die Exposition des Personals im Arbeitsraum verringerte. Für explosionsgefährdete Bereiche bietet RCC dedizierte ATEX-konforme Schutzlösungen.

Was regelt die ISO 10218 genau?

Die ISO 10218 regelt die Sicherheitsanforderungen für Industrieroboter und ihre Integration. Teil 1 betrifft den Roboter als Produkt, Teil 2 das komplette Robotersystem in seiner Einsatzumgebung, einschließlich Schutzeinrichtungen und Risikobeurteilung.

Was ist der Unterschied zwischen ISO 10218-1 und ISO 10218-2?

Die ISO 10218-1 richtet sich an den Roboterhersteller und behandelt die Konstruktion des Roboters. Die ISO 10218-2 richtet sich an Integratoren und Betreiber und behandelt die Sicherheit der gesamten Roboterzelle inklusive Schutzeinrichtungen.

Ist die ISO 10218 verpflichtend?

Die Norm ist formal freiwillig. Als harmonisierte EN ISO verschafft ihre Anwendung jedoch eine Konformitätsvermutung gegenüber der Maschinenverordnung, weshalb sie in der Praxis der Standard für eine rechtssichere CE-Kennzeichnung ist.

Was ist ISO/TS 15066 im Verhältnis zur ISO 10218?

Die ISO/TS 15066 ist eine technische Spezifikation, die die ISO 10218 um detaillierte Vorgaben für kollaborierende Roboter ergänzt, insbesondere zu zulässigen Kräften und Drücken beim Kontakt mit dem Menschen.

Ab wann gilt die neue EU-Maschinenverordnung?

Die EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 löst die Maschinenrichtlinie ab und gilt verbindlich ab Januar 2027. Die ISO 10218 in ihrer aktuellen Fassung ist der praktische Weg, ihre Anforderungen für Robotersysteme zu erfüllen.

Was bedeutet die Revision 2025 für bestehende Anlagen?

Bestehende Anlagen dürfen weiterlaufen. Bei Umbauten, Erweiterungen oder neuen Roboteranwendungen sollten Sie jedoch die Fassung von 2025 zugrunde legen, da sie Cybersicherheit und kollaborierende Anwendungen genauer regelt als die Versionen aus dem Jahr 2011.

Sichere Robotik braucht beides: Norm und Praxis

Die ISO 10218 gibt den Rahmen für eine sichere Robotik vor, von der Konstruktion des Roboters bis zur Integration kompletter Robotersysteme. Mit der Fassung von 2025 und der EU-Maschinenverordnung ab 2027 lohnt es sich, Sicherheitskonzepte jetzt zu prüfen. Normkonformität entsteht aber nicht nur auf dem Papier, sondern im täglichen Betrieb, in dem gewartete Schutzeinrichtungen und geschützte Roboter das Risiko niedrig halten. RCC unterstützt Betreiber dabei mit maßgeschneiderten Schutzhüllen aus französischer Fertigung, abgestimmt auf jede Umgebung und jede Robotermarke.

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